Sind viele Wechsel im Lebenslauf schädlich?

Wechselhäufigkeit – was heisst das für eine optimale Jobsuche oder meine Strategie am Arbeitsplatz? Dieser Frage möchten wir im folgenden nachgehen.

Generell sind bestimmte Wechselhäufigkeiten von Arbeitgebern in der eigenen Biografie natürlich per se wertfrei zu betrachten. Meist gibt es irgendwie gelagerte Gründe, die einen Wechsel notwendig gemacht haben. Gerade in sich dynamisierenden, digitalen Arbeitswelten und einhergehenden häufigeren Wechseln der privaten Basis verändern sich auch die Berufsbiografien.

So betrachten wir den Lebenslauf und die daraus resultierende Wechselhäufigkeit zunächst unter dem Blickwinkel der Aussenwirkung bei der Jobsuche. Dabei ist der Adressat naturgemäß der Leser eines Lebenslaufs. In der Regel jemand aus dem Team der Personalabteilung oder eine andere, im Unternehmen mit der Personalarbeit betraute Person.

Wechselhäufigkeit – Die Personalersicht

Im klassischen Sinne der Personalarbeit besteht relative Einigkeit. Die Häufigkeit von Jobwechseln in einem bestimmten Zeitraum wird so gut wie immer als Negativkriterium angesehen. Unternehmen erwarteten, zumindest bei berufserfahrenen Kandidaten, immer eine gewisse Stringenz in den Stationen des Lebenslaufs. Das bedeutet, das jährliche oder sogar noch kürze Wechsel des Arbeitgebers als Manko des jeweiligen Bewerbers angesehen worden sind.

Nun hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren unbestritten deutlich gewandelt. Insgesamt sind die Zeiten von Unternehmenszugehörigkeiten gesunken. Wechsel von Arbeitgebern gehören heute vielmehr zum Berufsalltag als noch vor 20 Jahren. Kurzum, die veränderte Lebenswirklichkeit der digitalisierten Welt verändert auch die Arbeitswelt.

Veränderte Rahmenbedingungen

Insofern ist hier in jedem Fall eine Neubewertung im Gang. Lebensläufe mit häufigen Wechseln sind somit viel stärker akzeptiert. Und doch ist weiterhin damit zu rechnen, dass es Unternehmen oder Personalentscheider gibt, die stark an alten Verhaltensmustern hängen. Hier wird dann eine hohe Wechselhäufigkeit nach wie vor nicht gerne gesehen.

Da werden dann trotz des Fachkräftemangels Voraussetzungen für Bewerber konstruiert, die schon persönlich und fachlich schwer zu erreichen sind. Dann soll zudem der Lebenslauf noch inhaltlich stringent und gerne nur mit einigen wenigen, gezielten Wechseln versehen sein.

Personalberater können ein Lied davon singen. Unternehmen stehen sich aufgrund dieser Ausrichtung bei der Besetzung von Positionen oft selbst im Weg.

Klar ist, dass nicht jeder allen Vorstellungen gerecht werden kann. Trotzdem kann es im Rahmen einer Karrierplanung sinnvoll sein, sich mit diesen Umständen auseinander zu setzen. Denn das aus dem generellen Inhalt eines Lebenslaufs im Rahmen eines Bewerbungsprozesses Rückschlüsse gezogen werden, dürfte auf der Hand liegen. Die Frage ist, inwieweit ich als Jobsuchender diesen Umstand in meine Handlungen einfliessen lasse und ob es überhaupt Handlungsalternativen gibt.

Wechselhäufigkeit – Die Möglichkeiten im Nachhinein

Vorab sollte klar sein, dass ein Bewerbungsverfahren immer auch von Vertrauen und Transparenz lebt. Insofern kann man die Wirklichkeit nicht verdrehen. Wer also eine erhöhte Anzahl von Wechseln in seinem Lebenslauf hat, muss dazu zunächst auch stehen.

Allerdings gibt es im Umgang mit Wechseln und vor allem der Darstellung in einem Lebenslauf einige Dinge zu beachten.

Dabei kann man zunächst versuchen, ohne Tatsachen zu verdrehen, gewisse Kurzeitbeschäftigungen zusammenzufassen. Wer also nach dem Studium innerhalb eines Jahres verschiedene, befristete Arbeitsverhältnisse innehatte, könnte hieraus einen einzelnen Punkt im Lebenslauf machen. Dieser umfasst dann den ganzen Zeitraum und wird dann entsprechend beschrieben. Wichtig ist dabei, dass alle Zeiten tatsächlich belegt und belegbar sind und alle Tatsachen der Wahrheit entsprechen.

Mit so einer kreativen Gestaltung erleichtert man dem geneigten Leser die Arbeit. Gleichzeitig stechen vielleicht sehr kurzfristige Jobs nicht mehr so ins Auge.

Gleiches gilt auch für Einsätze bei einem Personaldienstleister. Hier sollte der gesamte Beschäftigungszeitraum als ein Punkt angegeben werden. Auf die verschiedenen Einsatzbetriebe wird dann in der Erläuterung hingewiesen. So verschlankt man den Lebenslauf ebenfalls.

Eine weitere, offensive Möglichkeit des Umgangs mit einer erhöhten Wechselhäufigkeit besteht in der Angabe von Referenzen. Insgeheim vermutet ein Leser vielleicht hinter einem Wechsel eine andere Wahrheit, als sie im Lebenslauf kommuniziert wird. Wenn man mit reinem Gewissen ausgeschieden ist, spricht vielleicht nichts dagegen, vielleicht seinen ehemaligen Vorgesetzten als Referenz anzugeben. Das signalisiert dem Leser, das man es ernst meint und die eigenen Ausführungen den Tatsachen entsprechen. Hier gilt natürlich immer, den Datenschutz zu beachten. Die Angabe von Referenzen darf nur erfolgen, wenn sie mit dem Referenzgeber auch besprochen wurde und eine Genehmigung nachweisbar vorliegt.

Was kann man jetzt tun?

Die vorgenannten Ansätze bezogen sich eher auf den Umgang mit bereits erfolgten Wechseln. Wer am Anfang der beruflichen Laufbahn steht oder vor der Entscheidung, einen Job zu wechseln, hat andere Möglichkeiten. Denn dann kann man das eingene Tun vor diesem Hintergrund noch steuern. Gerade Zeiten der beruflichen Neuorientierung wollen gut geplant sein. Hier verbietet sich unüberlegtes Handeln.

Zwar gibt es Jobwechsel, die tatsächlich unvermeidbar sind. Darauf soll hier gar nicht eingegangen werden. Uns geht es vielmehr darum, ein Bewußtsein dafür zu schaffen, dass sich die Arbeitwelt zwar verändert hat. Es gibt aber keinen Grund dafür, eigenes Handeln unreflektiert sofort an diesen neuen Maßstäben auszurichten.

Also muss eine erhöhte Digitalisierung, der Anstieg der Möglichkeiten auf dem Arbeitmarkt oder ein vereinfachter Zugriff auf Ressourcen nicht zwangsläufig dazu führen, dass man es sich mit den Wechseln zu einfach macht.

Verbindlichkeit bleibt wichtig

Denn auch wenn Verbindlichkeit im privaten, in Vereinen oder auch Partnerschaften vielleicht nachgelassen hat. Erst eine gewisse Unternehmenszugehörigkeit läßt mich in Gänze erkennen, ob Unternehmen, Branche und Tätigkeit zu mir passen oder nicht.

Und genau das dokumentiere ich auch mit meinem Lebenslauf und der dort dokumentierten Wechselhäufigkeit. Wer immer wieder nach 3 Monaten ein Unternehmen verläßt, dokumentiert damit, dass er sich gerade nicht die notwendige Zeit genommen oder sich durchgebissen hat, um eine tiefere Erkenntnis zu erlangen. Gleichsam zeige ich damit vielleicht auch, dass ich den Traumjob noch nicht gefunden habe und permanent auf der Suche bin.

Das kann man dann eventuell mit dem oben ausgeführten kaschieren. Erfahrene Personaler werden das trotzdem erkennen. Und sicher gibt es auch Unternehmen, die eine hohe Anzahl an Unternehmen im Lebenslauf vor allem unter dem Gesichtspunkt der Erfahrungsgewinnung betrachten.

Gleichzeitig sollte man nicht bleiben wo man sich nicht wohlfühlt. Aber vielleicht sollte man im Sinne einer Investition in die eigene “Marke” auf dem Arbeitsmarkt vorher gründlicher überlegen, worauf man sich einläßt oder es eben nach hinten raus länger durchziehen. Einsatz und Durchhaltevermögen dürften sich immer noch bezahlt machen.

Personaler und der eigene Marktwert am Arbeitsmarkt werden es Euch voraussichtlich danken.

Do More and a coffe mug.

Arbeitsmarkt, Bewerbung, Jobsearch, Jobsuche, Lebenslauf

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